| Laborfrösche mit Missbildungen: Forscher warnen vor Herbizid Glyphosat |
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| Dienstag, den 21. April 2009 um 20:43 Uhr |
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Auf Argentiniens Gensoja-Plantagen, die inzwischen fast die Hälfte des Agrarlandes (17 Millionen Hektar) einnehmen und für den Export produzieren, ist der Agrochemie-Multi 'Monsanto' gleich doppelt vertreten: zum einen mit seinem genmanipulierten Saatgut der Sorte 'Roundup Ready Soy' und mit dem speziell für diese Sorte entwickelten Herbizid 'Roundup', das den Wirkstoff Glyphosat enthält. Alljährlich werden fast 200 Millionen Liter des Monsanto-Herbizids meist aus Flugzeugen auf die Sojafelder gesprüht. In einem Gespräch mit IPS erklärte Andrés Carrasco, Direktor des Laboratoriums für embryonale Molekularbiologie der Universität von Buenos Aires, unter dessen Leitung die 15 Monate dauernde Studie durchgeführt worden war: "Die von uns registrierten Missbildungen an Kaulquappen sind konsistent und systematisch." Er berichtete von bei Experimenten im Labor beobachteten Veränderungen im zentralen Nervensystem, von einem eingeschränkten Wachstum des Kopfes und von Knorpeldeformationen. Carrasco betonte, seine Erkenntnisse basierten auf gesicherten Daten. Vor der Veröffentlichung werde jedoch noch am Schlussbericht der Untersuchung gearbeitet. Die argentinische Tageszeitung 'Página 12' hatte vor wenigen Tagen über die Forschungsergebnisse berichtet. "Bevor die Universität von Buenos Aires den Bericht nicht veröffentlicht hat, werden wir ihn nicht kommentieren", erklärte Monsantos Pressesprecherin in Argentinien, Fernanda Pérez Cometto, gegenüber IPS. "Zunächst müssen wir wissen, mit welchen Methoden die Experimente durchgeführt wurden. Immerhin wurde bisher in zahlreichen Studien nachgewiesen, dass das Herbizid weder Menschen noch Tieren oder der Umwelt schadet." Behörden: "Keine akuten Risiken" Pérez Cometto verwies darauf, dass argentinische Behörden 1996 nach Tests von Monsantos 'Roundup' versichert hatten, die Anwendung des Herbizids sei nicht mit "akuten Risiken" verbunden. "Natürlich muss man die Sicherheitshinweise auf der Verpackung korrekt einhalten", fügte sie hinzu. "Auch wer ein Glas Pflanzengift trinkt, muss mit Folgen rechnen." Carrasco berichtete, in der ersten Phase des Experiments habe man Kaulquappen in mit Herbizid vermischtem Wasser ausgesetzt. Die darin enthaltene Konzentration des Pflanzengifts 'Roundup' sei 1.5000-mal geringer gewesen als der Pestizidgehalt, der beim Versprühen auf den Sojafeldern üblich sei. Bei den exponierten Kaulquappen kam es zu Missbildungen am Kopf. Im zweiten Versuchsstadium wurde Glyphosat ohne die in 'Roundup' enthaltenen Zusätze in Embryonenzellen injiziert. Die dabei registrierten noch schwereren Schäden seien allein auf das Glyphosat zurückzuführen. "Es steht fest, dass Glyphosat keineswegs unschädlich ist. Es löst sich nicht auf und baut sich nicht ab, sondern reichert sich in den Zellen an. Man kann mit Sicherheit annehmen, dass das, was mit Kaulquappen geschieht, auch beim Menschen möglich ist", sagte Carrasco. "Weder gut noch schlecht" Der Agronom Jorge Gilbert vom Nationalinstitut für Agrartechnologie (INTA) hält Glyphosat - wie andere chemische Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel auch - weder für gut noch für schlecht. "Es kommt auf die Anwendung an", betonte er gegenüber IPS. INTA berät Bauern in agrartechnischen Fragen. Den Anbau von Gensoja hat das staatliche Institut nie kritisiert. Vielmehr halten viele seiner Experten die Einführung von herbizid-resistem Saatgut für einen landwirtschaftlichen Fortschritt. Dagegen klagen argentinische Umwelt- und andere zivile Organisationen seit mindestens fünf Jahren, dass immer mehr Menschen, die in der Nähe von genmanipulierten Sojafeldern leben, an Krebs, Missbildungen, Nierenschäden sowie an Haut- und Atemwegserkrankungen leiden. Seit 2006 macht die argentinische Nichtregierungsorganisation 'Grupo de Reflexión Rural' (GRR) in Provinzen, in denen besonders viel Gensoja angebaut wird, mit dem Slogan mobil 'Stoppt das Sprayen!'. In diesem Jahr veröffentlichte sie einen Bericht, der sich auf Angaben von Landärzten und betroffenen Anwohnern stützte. Auch der Regierung und den Bundesgerichten liegt der Bericht vor. Der für GRR arbeitende Anwalt Osvaldo Fornari sagte IPS, man fordere eine Untersuchung der Genehmigungsverfahren für Herbizide und Pestizide. 'Roundup' sollte vorsorglich verboten werden. Argentiniens Staatspräsidentin Cristina Fernández hat inzwischen die Einsetzung eines Ausschusses angeordnet, der die ökologischen und gesundheitlichen Folgen von Glyphosat untersuchen soll. Dem Ausschuss gehören Vertreter des Gesundheitsministeriums, der für Umwelt und Landwirtschaft zuständigen Sekretariate sowie INTA-Experten an. (Ende/IPS/mp/2009) Links: http://www.conicet.gov.ar http://www.grr.org.ar http://www.ipsnoticias.net/nota.asp?idnews=91819 http://andrioli.com.br/de/index.php?option=com_content&view=article&id=166:kranke-doerfer-gesundheitskrise-durch-herbizidintensive-sojaproduktion&catid=35:atualidades&Itemid=41
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