Agrarexperte: Agrogentechnik ist eine gescheiterte Technik
Aktuell
Montag, den 19. Oktober 2009 um 01:53 Uhr

Dr. AndrioliVortrag des Brasilianers Dr. Andrioli  über Gefahren der Gentechnik fand großes Interesse
Vilshofen .  Um Landwirte und Verbraucher über die drohenden Gefahren der Gentechnik in der  Landwirtschaft zu informieren und beizutragen, falsche politische Weichenstellungen zu verhindern, hat die „Initiative gentechnikfreies Vilshofen“ einen profunden Kenner der internationalen Gentechnikszene, den Brasilianer Dr. Antonio Andrioli, zum Vortrag über das Thema „Agro-Gentechnik: Gefahren für Natur, Mensch und Landwirtschaft“ eingeladen. Rund 150 Zuhörer, darunter nicht wenige Landwirte, hörten in den Bürgerstuben dem gelernten Agrotechniker, Philosoph und Soziologe zu.

Andrioli ist Wissenschaftler an einer Uni in Südbrasilien und an der Johann-Kepler-Universität in Linz und ist mit Veröffentlichungen und zahlreichen Vorträgen zum weithin bekannten Aufklärer in Sachen Agro-Gentechnik geworden. Namens der Vilshofener Initiative konnte Godehard Limmer die Repräsentanten einer Reihe von Mitveranstaltern begrüßen, zu denen - einmalig für Vilshofen -   alle im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen gehörten sowie die örtlichen Organisationen:  Bürgerforum Umwelt,  Bund Naturschutz,  Eine-Welt-Kreis und Sachausschuss „Schöpfung bewahren“ des Pfarrgemeinderats.

Der Referent lenkte die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf die Wurzel der Problematik Agro-Gentechnik: auf die großen internationalen Chemiekonzerne, die mit Hilfe eines Heers von Gentechnikern, die direkt oder indirekt in ihren Diensten stehen, die bewährten herkömmlichen landwirtschaftlichen Verfahrensweisen ausschalten und an deren Stelle Methoden durchsetzen wollen, welche die Anwender in ihre Abhängigkeit bringen. Ziel sei die völlige Marktbeherrschung. Dies sei nahezu flächendeckend in den USA, Kanada und Argentinien gelungen.

Die Bindung an die Konzerne werde dadurch erreicht, dass man Landwirten im Pack patentiertes, auf Dauer nur von ihnen beziehbares Saatgut  und die  speziell entwickelten Spritzmittel verkauft. Statt aber Probleme zu lösen, würden zusätzliche geschaffen, die den Konzernen willkommen seien, weil sie neue Forschungsfelder eröffnen und mit neuen chemischen Antworten, die wiederum Lizenzgebühren nach sich ziehen, Profit erwarten lassen. Die Versprechungen von Ertragssteigerungen, weniger Pestizideinsatz, geringerer Kosten, der Ausschaltung von Krankheiten hätten sich, so Andrioli, als unzutreffend erwiesen. Uneingelöst sei auch das Versprechen der Hungerbekämpfung. Andrioli bezeichnete die Agro-Gentechnik als “gescheiterte Technik“. Sie könne gar nicht funktionieren, weil die Betrachtungsweise der Gentechniker der großen Firmen nicht mit der Natur und deren Komplexität übereinstimme.

Der Referent gewährte einen Einblick in die Werkstatt der Gentechniker. Diese wüssten zwar, wie man beispielsweise das Gen eines Bakteriums isoliere und in eine Pflanze einbaue, könnten aber, wenn die Pflanze freigesetzt sei, den Vorgang nicht mehr rückgängig machen. Es interessiere nur ein bestimmtes vordergründiges Ziel, etwa einen Pflanzenschädling auszuschalten, man wolle aber nicht wissen, was passiert, wenn eine Kuh die Pflanze frisst. Langzeit-Risikostudien würden entweder gar nicht oder mit wissenschaftlich unzulänglichen Methoden erstellt oder geschönt verbreitet. Negative Ergebnisse, etwa festgestellte Immunschwächen bei Pflanzen oder Nieren- oder Leberschäden bei Ratten, würden unterdrückt. Die Agro-Gentechnikwissenschaft glaube oder tue so, als hätte ein Gen, das man verpflanzen wolle, nur eine einzige bestimmte Funktion innerhalb eines Organismus, eben die, die man einer Pflanze geben wolle, verdränge aber, dass ein Gen viele andere nicht untersuchte oder unbekannte Funktionen haben könne, die im anderen Organismus schwerste neue Probleme auslösen könnten.

Andrioli ermunterte die Landwirte, sich ihre Freiheit zu erhalten. Wichtig sei es, das jahrtausendelange bäuerliche Wissen zu pflegen und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die mit der Natur in Einklang stünden, anzureichern. Weltweit rechne er mit einem Aufstand der Bauern, die in die Falle der Agro-Gentechnik geraten seien.

In der Diskussion wurden Unzulänglichkeiten der gentechnikfreundlichen deutschen Gesetzgebung angesprochen. So böten die Abstandsregelungen keinen Schutz vor Kontamination. Die Bienen als Faktor für die Weiterverbreitung von Genpollen über weite Strecken seien völlig ausgeklammert worden.  Andrioli regte zum Schutz vor Verseuchung mit genveränderten Organismen die Schaffung gentechnikfreier Zonen und Regionen an. Ein Zuhörer rief die Verbraucher auf, sich ihrer Macht bewusst zu sein. Sie sollten Waren mit der positiven Kennzeichnung „gentechnikfrei“ nachfragen. So veranlassten sie den Handel, entsprechende Produkte bereitzustellen, und  die Landwirte,  sie gentechnikfrei zu erzeugen.